Donnerstag, 22. Oktober 2015
Vor 10 Jahren: Das Wunder vom Luterbach

Die Spieler des FC Küssnacht rieben sich bereits ob des 1:0-Pausenstands die Augen. Doch statt einer ernüchternden zweiten Halbzeit folgte der historische Erfolg: 2:1 gegen den FC St. Gallen.

fab. Diesen denkwürdigen Samstagnachmittag vor zehn Jahren vergessen die damaligen Protagonisten des FC Küssnacht nicht so schnell. Heute noch werden sie auf den sensationellen Cup-Sieg am 22. Oktober 2005 angesprochen, insbesondere an Wochenenden, wo in der Schweiz Cup-Spiele anstehen.

Bei Werner Müller, dem damalige Goalie, hängt noch immer das Mannschaftsfoto von damals an der Wand. Das Video vom Spiel, das die Küssnachter vom Schweizer Fersehen auf CD erhielten, schauen sich heute seine Kinder an. Nie vergessen wird der 47-Jährige die Stimmung, die bereits vor dem Spiel herrschte: «Einmalig», sagt er, «das halbe Dorf war da.» Mittelfeldspieler Marc Noser schritt vor Spielbeginn auf das Feld und sog die Atmosphäre ein. Einige Tage zuvor hatte er noch mit dem FCSG-Stürmer Alex Tachie-Mensah telefoniert. «Piano, gell! Nicht zu viele Tore, bitte», habe er ihn gemahnt.

Bei den Küssnachtern herrschte Vorfreude, Respekt vor dem Gegner und etwas Nervosität. «Vor so vielen Leuten zu spielen war sehr speziell», sagt heute der ehemalige FCK-Captain Marcel Waller. «Das Wissen darum, eigentlich nichts zu verlieren zu haben, beruhigte uns aber», erinnert sich Kevin Kost, der heute bei den FCK-Senioren spielt. Je länger das Spiel gedauert habe, desto sicherer habe er sich gefühlt.

Im falschen, aber coolen Film
Gross war der Jubel, als Fabian Lüthold nach einer halben Stunde den Führungstreffer erzielte. «Ich erschrak, als wir plötzlich in Führung gingen», erinnert sich Mario Wasescha, der zu diesem Zeitpunkt noch auf der Ersatzbank sass. Eigentlich sei er darauf gefasst gewesen, chancenlos 0:10 zu verlieren. «Ich dachte immer wieder, ich sei im falschen Film – aber in einem coolen Film», erinnert sich Marc Noser.

Die Möglichkeit, doch noch unterzugehen, beschäftigte die Spieler auch in der Pause, wie er erzählt: «Wir fürchteten, dass sie uns noch die Bude vollschiessen würden.» Es sei Trainer René Distel gewesen, der den Spielern bewusst gemacht habe, dass wirklich etwas drin lag, dass St. Gallen nicht konnte oder nicht wollte. Dies dann auch auf dem Spielfeld zu realisieren, habe sich gut angefühlt, sagt Noser.

Verlängerung wäre heikel geworden
Sergio Minelli, damals 19-jährig, galt im Team als Rakete. «Die Zuschauer haben uns zum Sieg getragen», erinnert sich der flinke Stürmer. Und auch seine schnellen Beine, denn Minelli war es, der kurz vor Schluss den Penalty herausholte. «Als er davonrannte und von Davide Callà von den Socken geholt wurde... Das vergesse ich miiner Läbtig nicht mehr», erinnert sich der kurz zuvor eingewechselte Mario Wasescha.

Seine Mannschaft war froh, dass das Spielende näher rückte und es nach dem Gegentreffer der St. Galler nur noch wenige Minuten zum kolossalen Triumph dauerte. «Wäre das Spiel in die Verlängerung gegangen, hätten sie uns wohl abgeschossen», sagt Marc Noser. Kevin Kost pflichtet ihm bei: «Wir liefen konditionell und physisch bereits im roten Bereich. Eine 30-minütige Verlängerung wäre ein harter Kampf geworden.»