Freitag, 23. Oktober 2015
Sennenchilbi steht vor der Tür

Viele Küssnachter plangen schon darauf: Am 31. Januar 2016 ist in Küssnacht Sennenchilbi. Was es mit dem Geissbock auf sich hat und wie die Vorbereitungen laufen verrät Sennenpräsident Bruno Werder im Interview.

An der letzten Sennenchilbi 2010 amtete Urs Donauer als Präsident der Sennen- und Älplergesellschaft. Am 11. Oktober 2010 verstarb er. Welches Erbe hinterlässt er Ihnen in Bezug auf die Sennenchilbi?
Bruno Werder: Das Eigentliche und den Kern der Sennenchilbi versuchen wir so weiterzugeben, wie wir dies übernommen haben. Ich werde versuchen, möglichst viel in seinem Sinn zu vermitteln. Doch ich gestalte die Sennenchilbi ja nicht alleine. Zahlreiche Funktionäre helfen dabei mit.

Vom 31. Januar bis am 1. Februar 2016 findet die Sennenchilbi statt. Sind Sie schon nervös?
Nicht unbedingt. Aber ich bin gespannt und habe Vorfreude.

Wie steht es um die Vorbereitungen?
Es läuft sehr gut. Die Vereine und die Gruppen, die wir zusammengestellt haben, sind topmotiviert. Man muss sie dieses Jahr fast bremsen. Wir haben ein gutes OK und die Sennenammänner und -hauptmänner sind junge, motivierte Leute und freuen sich sehr auf die Sennenchilbi.

Am Montag, 1. Februar, ist schulfrei. Was erwartet die jüngeren Besucher an der Sennenchilbi?
Der Montag ist eigentlich ein wiederholter Sonntag, doch nicht mehr so stramm und stur – es ist ein freier Chilbitag. Man fährt zwar auch durchs Dorf und klettert auch, doch es ist viel lockerer und freier. Am Sonntag machen über 100 Kinder mit und es soll so sein, dass sie am Montag auch miterleben können, was alles läuft, denn am Sonntag laufen sie mit dem Sennengwändli und der Tracht herum und sehen wahrscheinlich gar nicht, was drum herum alles geht. Sie sollen sich nach dem strengen Sonntag erholen können.

Der Kletterbaum wird dieses Jahr von der Stadt Luzern gestiftet und kommt aus dem Meggerwald.
Er steht schiints auf Küssnachter Boden, habe ich mich belehren lassen, auf der Allmig in der Buseri. Die Stadt Luzern hat aber den Wald vor rund hundert Jahren gekauft.

Sind die rund 38 Nummern, die am Umzug teilnehmen, alle aus Küssnacht?
Ja. Ausser die Weggiser, die haben sich angemeldet und gefragt, ob sie mit einem Sennenwagen kommen dürfen, um Kaffee auszuschenken und Werbung für ihre Sennenchilbi zu machen. Das ist aber eine Ausnahme, sonst haben wir nur Küssnachter.

Wann starten die verschiedenen Gruppen mit dem Wagenbau?
Einige haben bereits begonnen. Je nach Leuten dauert es zwei bis drei Monate bis ein Wagen erstellt ist. Zuerst braucht es den Aufbau und das Gerüst. Dann werden die meisten Wagen noch mit Papierrosen geschmückt. Diese werden jetzt schon hergestellt – man kann nicht den Wagen bauen und erst dann mit Rösele beginnen.

Woher kommt die Tradition mit dem Geissbock, der am Umzug mitläuft und am Schluss versteigert wird?
Genau weiss ich es nicht, doch bevor die Sennen- und Älplergesellschaft gegründet wurde, gab es wilde Sennenchilbenen. Damals fand manchmal eine Süüchilbi, eine Geissenchilbi und eine Sennenchilbi statt. Man hat dann 1928 bei der Gründung der Gesellschaft Statuten gemacht und geschaut, was zur Tradition gehört. Der Geissbock ist anscheinend auch von der Geissenchilbi übernommen worden, damit der auch integriert war und niemand das Gefühl hatte, noch eine Geissenchilbi organisieren zu müssen.

Wurde der Geissbock schon gefunden?
Geissbock-Götti Werner Christen ist noch abwesend und sobald er Ende Oktober zurück ist, werden wir mit ihm die Geissböcke besichtigen. Wir haben einen Muotathaler angefragt, der Geissen hat und auch alle Bauern kennt, die Geissen besitzen. Der Geissbock-Götti, der den Bock spendet, wählt ihn dann aus. Ein grosses Geweih ist entscheidend und auch sonst sollte der Geissbock ein schöner sein.

Die Haupteinnahmequelle für die Sennenchilbi ist der Verkauf der Holzplaketten an das Publikum. Reichen diese Einnahmen?
Wir hoffen es. Wir haben aber auch einige Sponsoren, die beispielsweise mit Inseraten den Festführer finanzieren. Wir haben da und dort kleinere Einnahmen, doch die Plaketten sind entscheidend. Wir gehen auch nicht gross betteln. Wir wollen mit der Sennenchilbi nicht reich werden, sondern einfach mit den Einnahmen die Ausgaben decken.

Sagen wir mal, eine Person ist überhaupt nicht begeistert von Traditionen. Weshalb sollte sie die Sennenchilbi trotzdem nicht verpassen?
Zum einen gibt es an der Sennenchilbi Traditionen. Für mich ist die Geselligkeit aber noch wichtiger. Es ist wie am Klaustag: Da muss man keine Freude an der Tradition haben, da kann man ins Dorf gehen und reinhocken, da kennt man jeden und sagt jedem du. Es gibt eine Verbundenheit zwischen Dorf und Land, die gekittet wird. Zusammengehörigkeit, Geselligkeit und Gemütlichkeit – vor allem im heutigen Stress, den die meisten haben, tut es gut einen Tag zusammenzuhocken und auszusetzen und alles andere zu vergessen.