Freitag, 30. Oktober 2015
Auch das Surfen wollte gelernt sein

Vor 15 Jahren lancierte der Bezirk Küssnacht seine erste Webseite. Was die Bürger davon hatten, musste er ihnen erst erklären.

su. «Prähistorisch»: Mit diesem Wort beschreibt Oliver Ebert die erste Webseite des Bezirks, die der heute 50-Jährige programmiert hat – «zumindest im Vergleich mit den heutigen Möglichkeiten», wie Ebert treffend relativiert. Während Herr Müller und Frau Meier heute mit wenigen Klicks eine eigene Webseite erstellen können, waren sie vor 15 Jahren schon mit einem Eintrag für die Online-Agenda überfordert. Das legt zumindest der damalige Bericht des Freier Schweizer nahe, der unter anderem erklärte, wie man seine Veranstaltung unter www.kuessnacht.ch publizieren kann.

«Weder ein Telefon- noch eine Faxmitteilung» sei dafür nötig, es müsse lediglich «das entsprechende Formular ausgefüllt und als E-Mail abgeschickt werden.» «Als E-Was?», wird sich da so mancher Leser gefragt haben. Die Möglichkeit, «per elektronischer Post mit dem Bezirk in Kontakt zu treten», war im Jahr 2000 ebenfalls relativ neu – und für die etwas über 30 Beamte, die eine eigene E-Mail-Adresse erhielten, «sicher auch eine Herausforderung», wie Ebert glaubt, denn: «Die heute etablierte Netiquette, die besagt, wie und in welchem Zeitraum eine E-Mail beantwortet werden soll, gab es damals noch nicht.»

Sensation? Nein, Revolution!
Überhaupt lag vieles, was heute gang und gäbe ist, noch in weiter Ferne. «Im Jahr 2000 hatten in der Schweiz nur zwei von 100 Einwohnern einen Breitband-Anschluss. Ein solcher kostete zwischen 250 und 500 Franken pro Monat», erklärt Ebert. Die anderen 98 schlugen sich – wenn sie überhaupt online gingen – mit einem ultralangsamen Modem herum. Eine geringe Ladezeit von höchstens 10 Sekunden war deshalb auch eine der Hauptanforderungen an die erste Bezirks-Webseite, die gerade mal 800 x 600 Pixel und nur wenig datenschwere Bilder umfasste.

«Würde man eine heutige Webseite mit der damaligen Geschwindigkeit abrufen», schätzt Oliver Ebert zum Vergleich, «würde es bis zu fünf Minuten dauern, um eine Seite zu laden» – also eine gefühlte Ewigkeit. Dass man in einigen Jahren sogar online Videos schauen oder TV-Sendungen streamen werde, wie search.ch-Gründer und Visionär Ruedi Räber schon damals vorhersah, glaubte vor 15 Jahren niemand.

So altmodisch die erste Bezirk-Webseite aus heutiger Sicht anmutet, muss man ihr eines lassen: Sich auf elektronischem Weg an die Behörden zu wenden, das Friedhofreglement herunterzuladen oder im Ausland die Wassertemperatur des Vierwaldstättersees zu checken, war gleichermassen Sensation wie Revolution.

Hinweis:Unter www.ebert.com/bezirk ist die erste Bezirk-Webseite bis 6. November aufgeschaltet – wenn auch mit teils fehlenden Links oder Bildern.