56bahnhof WEBFreitag, 15. Juli 2016
«Man könnte gezielter beleuchten»

Am Beispiel des Küssnachter Bahnhofs befasste sich Nadia Scherrer mit Lichtverschmutzung. Die Merlischacherin erklärt, weshalb zu viel Licht schädlich ist, wie sich Emissionen reduzieren liessen – und wo auf keinen Fall.

In deiner Maturaarbeit zählst du Lärm und Licht zur Umweltverschmutzung, die Natur und Mensch belasten. Ist das, etwas ketzerisch gefragt, nicht übertrieben?
Nadia Scherer: Es kommt aufs Ausmass an. Das Belastende an Lärm und Licht ist, dass wir immer mehr davon haben. Hier müssen wir genau hinschauen, wie das weitergeht – gerade auch mit dem Lärm, der über unsere Strassen immer näher an die Wälder kommt, worunter Tiere leiden. 

Auf das Thema Lichverschmutzung kamst du auf einer Klassenreise in London. Warum gerade dort?
Weil es in London kein Tag und Nacht gibt. In jeder Strasse findest du jemanden, der wach ist, auch morgens um 4.30 Uhr. So auch das Licht: Überall findet sich Leuchtreklame. Besonders eindrücklich war, als ich auf der Tower Bridge stand und der Nachthimmel nicht schwarz, sondern orange war. Als ich nach Hause kam, beobachtete ich Ähnliches, wenn auch in geringerem Ausmass. Wenn es bewölkt ist und ich von meinem Zuhause aus in Merlischachen über die Allmig blicke, sehe ich genau, wo Luzern ist.

Du befragtest 63 Personen zu störenden Lichtquellen in Küssnacht. Die Hälfte davon nannte den Bahnhof. Überraschte dich das?
Im Gegenteil, ich fühlte mich bestätigt. So wusste ich, dass ich nicht die Einzige bin, die ihn nachts als störend empfindet – gerade wenn man den alten und den neuen Bahnhof vergleicht. Letzterer wird in den Fragebogen als «grell» und «zu hell» eingestuft. Auch, weil er mit sehr weissem Licht beleuchtet wird.

Lichtverschmutzung lässt sich nicht überall reduzieren und ist, wie du schreibst, gerade am Küssnachter Bahnhof aus Sicherheitsgründen notwendig. Weshalb?
Wir können nicht auf Licht verzichten. Züge verkehren bis nach Mitternacht, also muss der Bahnhof auch solange beleuchtet werden. Man kann Passagiere nicht ohne Licht durch die Unterführung laufen lassen. Licht ist wichtig zum Schutz vor Unfällen, Übergriffen oder Vandalismus. Stellen Sie sich vor, man würde die Gleise nicht sehen. Das wäre fatal.

Könnte man die Lichtemissionen dennoch reduzieren?
Ja. Diesbezüglich wurde in den letzten fünf bis zehn Jahren auch intensiv geforscht. Reduzieren liessen sich Lichtemissionen etwa mit geschalteten Uhren. Gerade in Quartierstrassen, in denen die Strassenlaternen nicht die ganze Nacht leuchten müssen, könnte man diese mit Bewegungsmeldern regulieren. Oder man reduziert die Lichtstärke im Verlauf der Nacht, wenn es nicht gebraucht wird, und lässt die Lichtquellen gegen Morgen wieder stärker leuchten.

Welche Schritte würdest du dem Bezirk als Licht-Expertin empfehlen?
Man könnte unterschiedliche Lampenarten einsetzen. Die meisten Strassenlaternen sind mit Kugellampen ausgestattet, die rundum leuchten. Mithilfe von Lampenschirmen könnte man Objekte sehr gezielt beleuchten. Weniger Streulicht gäbe es auch mit dem Einsatz von LED-Lampen.