Freitag, 03. November 2017
Die Freude an Poetry Slam entdeckt

Patrick Niederberger ist in Küssnacht aufgewachsen und als Slam Poet in der ganzen Schweiz unterwegs. Initialzündung für seine Schreib- und Auftrittslust war der VierWortStätterSlam, der jeweils im Rössli stattfindet.

mn. Patrick Niederberger lebt seine Kreativität normalerweise als Konditor-Confiseur aus. Das Genre Poetry Slam lernte er vor gut zwei Jahren richtig kennen. An der ersten Ausgabe des örtlichen VierWortStätterSlams wurde er als Gast mit dem Fieber angesteckt und begann später selber Texte zu schreiben: «Anfangs hatte ich in der Lehre noch zu viel zu tun. Als ich diese erfolgreich abgeschlossen habe, begann ich selber Texte zu schreiben und auf der Bühne zu performen.» Seinen ersten Auftritt hatte er in seiner Heimatstadt Luzern, genauer in der Bar59. «Ich war unglaublich nervös und konnte meinen Text nicht so präsentieren, wie ich es gerne gehabt hätte», so Niederberger. Nervös ist er vor seinen Auftritten immer noch, aber viel weniger als bei der Premiere.

Humorvolle Texte
Beim Poetry Slam geht es darum, innerhalb einer begrenzten Zeitspanne (meistens sechs Minuten) einen selbstgeschriebenen Text vorzutragen, auswendig oder ab Blatt. Die Zuschauer entscheiden jeweils, welche Poeten eine Runde weiterkommen. Am Schluss erhält der Sieger eines Poetry Slams (Dichtungswettstreit) traditionellerweise eine Flasche Whisky. Angefangen hat Patrick Niederberger mit zwei Texten. Mittlerweile ist sein Repertoire um einiges grösser geworden: «Ich achte darauf, auf einer Bühne möglichst nie den gleichen Text vorzutragen.» Inhaltlich geht Niederberger meist von Alltagssituationen aus, die ihn auf irgendeine Weise faszinieren. Diese versucht er dann humorvoll in seinen Texten zu manifestieren.

Ist es denn wichtig, dass ein Slam lustig ist? «Überhaupt nicht, aber ich finde die Leute erleben den Alltag nicht immer als sehr lustig. Deshalb freue ich mich, wenn ich am Poetry Slam Leute zum Lachen bringen kann.» Die Vorarbeit dafür ist weniger gesellig als der eigentliche Auftritt, nämlich das eigentliche Schreiben.  «Meist schreibe ich einen Text nicht komplett am Stück, sondern abschnittsweise», so Niederberger. Früher hat er nur von Hand und in Standardsprache geschrieben, mittlerweile auch am Computer und auf Mundart. Einen Slam gewonnen hat er bisher noch nie, aber darum geht es ihm auch nicht: «Zentral für mich sind die Freude an der Sache selbst und einen geselligen Abend mit Gleichgesinnten zu haben.»

Wo alles begann
Durchschnittlich zwei Mal pro Monat trifft man den gebürtigen Küssnachter an einem Poetry Slam an. Nach zahlreichen Auftritten in Städten wie Luzern, Zürich oder Bern kehrte er am letzten Freitag zu seinen Wurzeln zurück und trat zum ersten Mal am VierWortStätterSlam in Küssnacht auf. Dabei schaffte er es bis ins Halbfinale. «Der VierWortStätterSlam ist und bleibt vom Ambiente her etwas vom besten, das ich bisher gesehen habe», meint Niederberger. Gut möglich also, dass man ihn hier wieder einmal antrifft.