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Alfons Räber: Ich fühle mich betrogen Drucken E-Mail
Donnerstag, 2. Dezember 2010
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Es geht um 30'000 Quadratmeter Land und laut Besitzer Alfons Räber um Versprechen, die nicht eingehalten wurden. Denn was sein Bruder vor 40 Jahren als teures Bauland kaufte, ist unbebaubare Fruchtfolgefläche geworden und geblieben – bis heute.




avd. Wie Puderzucker legt sich der Schnee auf die Lorbeersträucher neben der Distillerie Räber. Nicht zuckersüss, sondern zitronensauer ist die Stimmung von Alfons Räber, dem die 30'000 Quadratmeter zwischen Distillerie und Merlischachens Dorfzentrum gehören.  Dem FS erzählt er, warum.

Bittere Grüsse aus Bern
Alfons Räbers Bruder kaufte 1970 das Grundstück in der Grossmatt zwischen Küssnacht und Merlischachen. «Der Bezirk sicherte damals zu, dass das Land eingezont wird», sagt Alfons Räber.

Zwei Jahre später stimmt die Bevölkerung der Zonenplanrevision zu. Doch der Regierungsrat des Kantons Schwyz ist anderer Meinung. Mit dem neuen Zonenplan sei zu viel Bauland geschaffen worden. Alfons Räbers Bruder legt Rekurs ein und erhält Recht. Die Freude währt nicht lange. Denn die Schweizerische Stiftung für Landschaftsschutz beschwert sich beim Bundesrat. Dieser entscheidet, dass vorübergehend bis 1979 das Land nicht verbaut werden darf.

Parzelle schon lange erschlossen
Einige Jahre später verkauft Räber etwas Land der Parzelle an den Bezirk; mit der Bedingung, dass das Grundstück eingezont wird, sobald die Baulandreserven Merlischachens ausgeschöpft sind.

Der Bezirk willigte ein und baute auf dem Landstück ein kleines Pumpwerk für die Abwasserreinigungsanlage. Im gleichen Zug wurde die Parzelle auf Kosten des Bezirks elektrisch erschlossen; das Frischwasser fliesst in einer Ringleitung rund um das Grundstück. 1987 – vor der nächsten Zonenplanrevision – reicht Räber ein neues Einzonungsgesuch ein.

«Es war alles bereit. Ich hätte geradewegs mit dem Bauen loslegen können», erinnert sich Alfons Räber. Es haben Pläne für eine Siedlung mit Mehrfamilienhäusern, Restaurant und Kindergarten auf dem Tisch gelegen.

Doch der Bezirk wiegelt das Einzonungsgesuch ab. Die Begründung: Mittlerweile gehört die Parzelle zum Siedlungstrenngürtel und trennt so optisch Merlischachen und Küssnacht. Für Alfons Räber ein fadenscheiniges Argument; schliesslich gehört die näher zu Küssnacht liegende Siedlung Sumpf zu Merlischachen. «Ausserdem  bin ich sehr flexibel», erklärt Alfons Räber, «Mit 10'000 Quadratmetern Fläche gleich neben der Distillerie würde ich mich zufrieden geben. Das sind vom Distilleriegelände an 50 Meter der Hauptstrasse entlang. Ich habe dem Bezirk auch den eigenhändig finanzierten Bau von kostengünstigen Wohnungen angeboten.»

2007 hat der Schwyzer Regierungsrat den Richtplan für die aktuelle Zonenplanrevision genehmigt – ohne Räbers Parzelle, die mittlerweile auch im Bundesinventar schützenswerter Landwirtschaftsflächen auftaucht.

Grosse Enttäuschung
«Der Bezirk hat mich angelogen und betrogen. Er hat die Versprechen nie eingehalten und es verpasst, die Einzonung an übergeordneter Stelle zu deponieren», sagt Alfons Räber. 
Was Räber auch ärgert, ist dass der Bezirk das Gebiet Burghof einzonen will, das im Richtplan ebenfalls als landwirtschaftliche Vorrangsfläche definiert ist. Und das ist dasselbe wie die Fruchtfolgefläche.

An Richtplan und Gesetze gebunden
Die zuständige Bezirksrätin Carole Mayor versteht Räbers Ärger und Enttäuschung: «Offenbar wurden früher Versprechungen gemacht, die jetzt von Gesetzes Wegen her nicht eingehalten werden können.» So würden Richtplan und übergeordnete Gesetze der Siedlungsentwicklung enge Schranken zuweisen.

Die Einzonung Burghof ist laut der Bezirksrätin nur deshalb möglich, weil sie an die bestehende Siedlung Merlischachen angrenzt. Auf der anderen Seite zählt zwar die Siedlung Sumpf postalisch zu Merlischachen, siedlungstechnisch aber zu Küssnacht. «Damit ist der obligatorische Siedlungstrenngürtel zwischen Sumpf und der künftigen Siedlung Burghof gegeben.» Sowohl Sumpf als auch das Distillerie-Areal wurden zu Zeiten eingezont, als es noch keinen Richtplan gab.

Gemäss Carole Mayor haben regelmässig Treffen mit Alfons Räber stattgefunden. «Aber bei übergeordneten Gesetzen und Verordnungen sind dem Bezirksrat die Hände gebunden.» Ausserdem seien Investitionen immer mit einem Risiko verbunden.
Mayor rät Räber, die heutigen Rahmenbedingungen zu akzeptieren: «Ausserdem hätte man über diesem schönen Stück Land eine fantastische Sicht auf den See – wenn die Lorbeerbüsche nicht im Weg wären.»
 
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