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Chriesi: Die Trendfrucht der Einheimischen Drucken E-Mail
Montag, 5. Juli 2010
53chriesi_bauern
Durch das schlechte und kalte Wetter startet die Chriesi Saison dieses Jahr mit Verspätung. ChriesiBauern sind jedoch zuversichtlich, dass es eine gute Ernte geben wird. Im Gespräch erklären Bruno Werder, André Dober und Wisi Küttel, weshalb die roten Früchtchen bei den Küssnachter Konsumenten so beliebt sind.





ob. Der Juni war in diesem Jahr nicht gerade ein Wonnemonat in Bezug auf Wetter. Welche Auswirkungen hat das schlechte Wetter auf die dies-jährige Kirschenernte?
Bruno Werder (BW): Die Ernte verzögert sich um 10 bis 14 Tage. Die ersten Chriesi werden jetzt erst reif. Aber ansonsten hatte das schlechte Wetter keinen Einfluss.
André Dober (AD): Im Frühjahr wurden die Blüten von den Bienen intensiv befruchtet und der Behang ist daher sehr gut.
BW: Ja, und auf die Qualität der Chriesi hatte das schlechte Wetter keinen Einfluss. Die ersten Chriesi waren zwar etwas Fade, aber das ist bei allen Früchten so. Die, welche jetzt reif sind, schmecken massiv besser.
AD: Bei den ersten nimmt man jeweils in Kauf, dass sie nicht das gleiche Aroma haben wie die mittleren und späteren Sorten.

Herr Dober, Sie betreiben vor allem Tafelkirschen-Anbau. Was sind Tafelkirschen?
AD: Tafelchriesi sind die Kirschen, welche unbearbeitet zum Konsumenten gelangen. Also frisch vom Baum gleich in den Mund. Wir pflücken sie immer mit Stil, damit man sieht, wie frisch sie sind. Ausserdem werden sie von Hand gepflückt und danach von Hand sortiert.

Sortiert?
AD: Die Chriesi werden je nach Kategorie in Grössen eingeteilt. Ausserdem müssen sie im Körbchen ein gutes Gesamtbild machen, also farblich und von der Grösse her einheitlich sein, da die Konsumenten mit den Augen kaufen.
Wisi Küttel (WK): Wenn es kleine und grosse Chriesi gibt, möchten die Konsumenten immer die grossen.

Also, je grösser desto besser?
BW: Es gibt natürlich auch kleine Kirschen die gut schmecken. Aber es ist schon so, dass die grösseren Chriesi am beliebtesten sind.
AD: Alteingesessene Chriesi-Liebhaber argumentieren vielleicht, dass Brennchriesi am besten schmecken, weil sie durch den grossen Zuckeranteil auch viel Geschmack haben. Aber mehrheitlich zum frisch Essen werden schon die grossen Tafelchriesi bevorzugt.
BW: Grosse Chriesi füllen den Bauch.

Welche sind denn Ihre Lieblingssorte?
WK: Persönlich habe ich auch am liebsten die knackigen Kordia.
AD: Mir schmecken Kordia und Regina auch am besten. Die beiden Sorten können über 30 mm gross werden.
BW: Ich mag schon auch die grossen knackigen am liebsten. Aber wichtiger ist für mich, dass sie frisch sind.
AD: Ja, frisch müssen sie sein. Das stimmt.
BW: Alleine in Küssnacht gibt es 100 Chriesi-Sorten …
WK: … Teilweise auch Zufallssämlinge.
AD: Es ist kaum möglich alle Sorten zu kennen.
BW: Alleine bei den Tafelchriesi gibt es hier über 20 Sorten.

Sie haben vorhin Brennchriesi erwähnt. Was sind Brennchriesi?
WK: Brennchriesi wachsen bei uns vorwiegend an Hochstammbäumen. Wir ernten sie jeweils mechanisch mit einem Seilschüttler. Die Brennchriesi werden, wie es ihr Name schon sagt, zu Alkohol gebrannt.

Letztes Jahr wurden Brennchriesi aus Deutschland importiert. Heisst das, die Schweizer Bauern produzieren zu wenig?
BW: In der Schweiz werden 9000 Tonnen Brennchriesi produziert pro Jahr. Das sind gerade Mal 30% des Bedarfs. Der Rest wird vom Ausland importiert. Teilweise wird auch der fertige Schnaps direkt importiert.

Trinken wir Schweizer so viel Kirsch?
BW: Nein. Der grösste Teil wird für Fondue oder Schoggi verwendet. Getrunken wird eigentlich nur wenig.

Ist der ausländische Chriesi-Markt ein Problem für die Schweizer Chriesi-Bauern?

BW: Deutschland produziert guten Kirsch. Aber die östlichen Länder kommen nicht an den Schweizer Kirsch heran.
AD: Chriesi ist ein Qualitäts-Produkt. Im Ausland ist mir aufgefallen, dass die Kirschen qualitativ nicht mit den Schweizer-Chriesi mithalten können.
BW: Ausserdem hat sich der Chriesi-Preis im Inland sukzessiv erholt, weshalb in den letzten Jahren auch die Nachfrage wieder gestiegen ist.

Nebst Tafel- und Brennchriesi gibt es auch noch Konservenchriesi …
BW: … stimmt. Sie werden auch Industrie- und Konservenchriesi genannt. Aus unserer Gegend gehen alle Industrie- und Konservenchriesi zur Räber AG und werden dort zu Konfituren oder Joghurt-Zutaten verarbeitet. Räber AG kauft auch einen Teil unserer Brennchriesi ab.

Wieso sind Kirschen gerade auch hier im Bezirk so beliebt?
BW: Chriesi sind gesund und reinigen den Magen.
AD: Chriesi sind Lifestyle. Es ist einfach sie zu essen, also auch während der Arbeit, ohne das man sich vollkleckert.
BW: Wenn die Sonne scheint, essen Leute allgemein mehr Früchte.
AD: Ausserdem liegen Chriesi voll im Trend.
BW: Wahrscheinlich sind Chriesi auch etwas besonderes, weil es sie nur für eine bestimmte Zeit ihm Jahr gibt.
 
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