| Die gute Fee der Chlausjäger |
|
|
| Dienstag, 2. November 2010 | |
![]() Die Nähmaschine von Rösi Sidler läuft das ganze Jahr über heiss. Anfang November beginnt für die gute Fee der Chlausjäger allerdings die strengste Zeit. Denn die Küssnachterin sorgt dafür, dass die Chlausjäger am wichtigsten Tag des Jahres korrekt eingekleidet sind. bro. Rösi Sidler trägt das Chlausjäger-Gen in ihrem Blut. «Es ist so ein schöner Brauch. Wir Frauen müssen unsere Männer dabei unterstützen, damit dieser Brauch erhalten bleibt.» Seit 20 Jahren kleidet die Küssnachterin Rösi Sidler die Chlausjäger ein. Sie blickt zurück: «1991 starb meine Schwiegermutter. Mein Schwiegervater hat bereits vorher von sich aus die Chlausenhemden auf eigene Rechnung gemacht. Als meine Schwiegermutter starb, musste ich ihm versprechen, dass ich es so lange er lebt, weiter mache.» Rösi Sidlers Schwiegervater, ein eingefleischter Chlausjäger liess nicht locker: «Immer wieder wenn er bei uns zum Mittagessen vorbeikam, sagte er zu mir: «Du machschs es, gäll?» Manchmal denke ich, dass er sich da oben bestimmt darüber freut, dass ich es auch nach seinem Tod noch weiter mache.» Konzept erstellt Bevor Rösi Sidler diese Aufgabe übernommen hat, gab es für die Chlausjäger kein einheitliches Konzept. «Ich erinnere mich noch daran, dass die Jungen mit den Skijacken zum Chlausjagen gingen.» Seit sie jedoch die Hirtenhemden und Yffelen-Gewänder näht, sind auch die Kindergartenkinder am Schülerumzug mit der korrekten Chlausjäger-Kleidung unterwegs. «Es dauerte drei Jahre, bis ich ein richtiges Konzept erstellt hatte», erinnert sich Sidler an die Anfangszeit. Damals wurden für die Kleider noch billiger Stoff genommen. Dies änderte sich mit Sidler: «Den Stoff, den ich heute benutze, der ist sehr teuer. Er geht nicht ein und ist sehr widerstandsfähig.» Hirthemd als Geschenkidee Auch wenn die Chlausjägerzeit jeweils nur kurz ist, hat Rösi Sidler das ganze Jahr über zu tun. «Ich beginne bereits im Januar und fülle mein Lager auf. Zudem gibt es immer wieder Leute, die auch während dem Jahr zu mir kommen, um ein Hirthemd als Geburtstagsgeschenk zu kaufen.» Besonders die kleinen Hirthemden für Neugeborene seien bei den Küssnachterinnen und Küssnachtern sehr beliebt und eignen sich hervorragend als Geschenk-idee für Geburten. Wie viele Hemden und Gewänder sie im Jahr näht, konnte Rösli Sidler nicht sagen: «Das ist ganz unterschiedlich. Ich arbeite auf Vorrat. Letztes Mal habe ich geglaubt, dass ich von der Grösse S bestimmt für zwei Jahre genug habe. Plötzlich sind im vergangen Jahr ganz viele junge Männer aufgetaucht, die alle die Grösse S brauchten.» In ihrem Sortiment finden sich alle Grössen für Babys bis hin zum dicksten Chlausjäger. Und auch Accessoires wie Zipfelmützen und Halstücher hat die Küssnachterin auf Lager. Eine echte Chlausjägerfamilie Dass Rösi Sidler die gute Fee für die Klausjäger ist, zeigt sich nicht nur in ihrem Engagement bei der Bekleidung von jungen und alten Chlausjägern, sondern auch in der Familie. So ist die Familie Sidler eine echte Chlausjägerfamilie: «Jedes Jahr kommen unsere Kinder und deren Freunde zu uns zum Spaghetti-Essen, bevor der Umzug losgeht. Das gehört zur Tradition.» Hinzu kommt, dass sie sowohl für ihren Ehemann wie auch ihren Kindern und Enkelkindern Yffelen gebaut hat und zurzeit gerade wieder an einer neuen Yffele arbeitet. Für Rösi Sidler zählt einzig, dass das Brauchtum Chlausjagen für zukünftige Generationen weiter lebt. Da macht es ihr auch nichts aus, dass sie im November kaum zu Ruhe kommt: «Es ist schön, wie vor allem auch junge Menschen, dankbar sind, dass ich dies für sie mache. Manchmal kommt mir unser Haus im November vor, wie ein Spielhaus in dem die Leute ständig ein- und ausgehen. Es ist ein Kommen und Gehen.» Das sie als Frau am Strassenrand steht, ist für Rösi Sidler eine Selbstverständlichkeit: «Es ist ein Abend für die Männer. Wir Frauen müssen nicht überall das Gleiche haben. Wenn Frauen am Umzug mitlaufen würden, wäre das Chlausjagen nicht mehr das Selbe.» |
| < Zurück | Weiter > |
|---|








