| Hohe Ansprüche gekonnt inszeniert |
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| Donnerstag, 28. Oktober 2010 | |
![]() Am Dienstag feierte das Gymitheater Immensee Premiere mit einem Paradestück klassischer Theaterliteratur. Das Ensemble um die alte Dame zeigt Glanzleistungen und wird den hohen Ansprüchen des Stücks mehr als gerecht. su. «Ich warte», sagt die exzentrische Claire Zachanassian. Ihre Worte sind ebenso knapp wie siegessicher, während sich die Bewohner des zweitrangigen Städtchens Güllen über ihren schauerhaften Vorschlag empören. Vorerst jedenfalls. Eine Milliarde bietet ihnen die steinreiche Zachanassian, die ihre Heimatstadt vor vielen Jahren als mausarmes Mädchen verlassen hatte und nun als steinreiche Dame zurückkehrt. Im Gegenzug verlangt sie Gerechtigkeit und übt sich in Selbstjustiz: Sie fordert die Ermordung von Alfred III, ihrem Jugendfreund, der sie damals schwängerte und die Vaterschaft abstritt. «Die Welt machte mich zu einer Hure. Jetzt mache ich sie zu einem Bordell», lautet die folgenreiche Eigenlogik der Zachanassian. In lokalen Kontext eingebettet Soviel zum Rahmen der tragischen Komödie, die Friedrich Dürrenmatt vor einem halben Jahrhundert schrieb und nun von der Theaterklasse um Regisseurin Bettina Dieterle adaptiert wurde. Das wohl bekannteste Theaterstück aus Schweizer Feder wurde in einen modernen Kontext eingebettet. So zählt Karl Lagerfeld zu den Ex-Männern der Zachanassian (phänomenal: Jana Schönbächler) und Barack Obama gratuliert per E-Mail der alten Damen zu ihrer neunten Hochzeit. Sanierungsbedürftig sind im wirtschaftlich schwachen Güllen dann auch lokale Unternehmen: Vanoli, Baer, Landi und Rigi-Bahnen bedürfen der finanziellen Notspritzen, die Claire Zachanassian in Tausenderscheinen spazieren führt. Ist Alfred Ill noch zu retten? Doch ist «die Versuchung zu gross, die Armut zu bitter» – wie es auf der Bühne heisst – als dass dafür ein Gemeindemitglied den Kopf hergeben muss? Alfred III (grandios: Yuri Dossenbach) ist sich sicher: «Jeder hofft, dass es jemand anderes tut und irgendwer wird es tun.» Umso bedrohlicher gestaltet sich sein Alltag, als Zachanassians schwarzer Panther aus dem Hotelzimmer türmt und die Bevölkerung bewaffnet durch die Strassen zieht. Doch weder Polizei noch Pfarrer finden Gehör für Ills Befürchtungen. Zwar appellieren der Bürgermeister und der Lehrer an die Moral der exzentrischen Milliardärin. Doch diese lässt sich nicht beirren. Im Gegenteil: Sie wartet weiter. Und während sie das tut, tun sich vor dem Publikum menschliche Abgründe auf, getragen von brillanten Jungschauspielern, deren Figuren umso lauter nach Gerechtigkeit schreien, als sie die eigene Unmoral vertuschen müssen. Weitere Aufführungen sind am 29./30. Oktober und 5. November um 20.00 Uhr. Dernière am 6. November um 17.00 Uhr. |
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