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IG will 2. Abschnitt der Umfahrung im Boden Drucken E-Mail
Montag, 24. Oktober 2011
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Die IG gedeckte Südumfahrung lud am Samstagmorgen zur Besichtigung des zweiten Abschnitts der Südumfahrung im Bereich Stadelmatt. Die Besichtigung verkam zum Streitgespräch, das keine konkreten Lösungen hervorbrachte.





cb. Die Veranstaltung sei ein Bekenntnis, dass die IG gedeckte Südumfahrung zur Landschaft und der schönen Natur Sorge trage, so Patrizia Henkel von der IG. Sie betonte, dass die IG an der Linienführung und an den Ein- und Ausstiegspunkten der Umfahrung nichts zu nörgeln habe. «Ich bin ein klarer Gegner des zweiten Abschnitts – jedoch ein klarer Befürworter der Südumfahrung», äusserte sich Peter Baumann, ebenfalls Mitglied der IG. Er führte die rund 80 Anwesenden durch das mit Absperrband ausgesteckte Areal nach dem geplanten Tunnel.

«Strasse muss in den Boden»
Baumann kam gleich auf die Kritik der IG zu sprechen: «Es ist unverständlich, dass die Strasse so hoch – rund acht Meter – über den Schickerbach führt.» Der Bach vor der Stadelmatt (Dürrenbach, Anm. d. Red.) sei auf den Plänen auch untertunnelt. «Zudem verliert Kaspar Gisler einen Teil seines Landes und auch Bruno Werder trifft es mit rund 30000 m2, die genauen Zahlen habe ich jedoch nicht.»
Man müsse zum Boden mehr Sorge tragen, denn in der Schweiz werde pro Sekunde ein Quadratmeter Land verbaut. «Man kann die Landschaft nicht behandeln wie der letzte Dreck. Darum ist unsere Forderung: Die Strasse muss unter den Boden.»

Einzig den Kompromiss, dass die Strasse bis zum Schickerbach untertunnelt werde, könne er gutheissen. Dem jetzigen Vorschlag gebe er aber keine Chance: «Wir sind ein reicher Bezirk und ein reicher Kanton, die so was nicht auf sich nehmen können.»

Gelder müssen gerechtfertigt werden
Ganz so goldig wie Baumann sah Bezirksrätin Carole Mayor den Sachverhalt nicht: «Der zweite Abschnitt wird unseren Bezirk schätzungsweise 50–60 Millionen Franken kosten, wenn sich der Kanton an der Finanzierung beteiligt. Schon dafür beim Bezirk eine Mehrheit zu finden, wird nicht leicht sein.» Jede Million, die nun zusätzlich dazukomme, müsste vom Bezirk selber übernommen und gut begründet werden.

«Warum bezahlen dann anliegende Kantone wie beispielsweise Luzern nicht auch einen Beitrag?», fragte jemand aus der Menge. Regierungsrat Othmar Reichmuth antwortete, dass dann der Kanton Schwyz beispielsweise auch Teile von Zürcher Kantonsstrassen mitfinanzieren müsste, das Schwyzer diese ebenfalls befahren. «Das würde zu mittelalterlichen Zuständen mit Zöllen führen.» Auch mit den Umfahrungstunnels in Sachseln oder Giswil sei die Situation in Küssnacht nicht zu vergleichen: «Dabei handelt es sich um Nationalstrassenprojekte, die mehrheitlich vom Bund finanziert werden.»

Unterhaltskosten zu hoch
Das Streitgespräch wurde dann auf einer sehr emotionalen Ebene fortgesetzt: «Wie würden Sie reagieren, wenn sie hier wohnten», wurde Carole Mayor von der Tochter Kaspar Gislers gefragt. «Ich würde möglicherweise von meinen politischen Rechten Gebrauch machen. Das Interesse der Gesamtbevölkerung würde ich dabei jedoch stets mitberücksichtigen.»

Bevor sich Mayor der Frage annahm, kam sie auf den Punkt der Belüftung eines Tunnels zu sprechen, der noch nicht ganz geklärt war. Bruno Werder von der IG führte das Argument ins Feld, dass die offene Basisvariante des Bezirks mit den 7.5% Steigung zur Umweltbelastung werde. «Wenn man dies ins Verhältnis setzt mit dem Energieverbrauch einer Tunnelbelüftung, ist diese Belastung klein», argumentierte die Bezirksrätin dagegen. Ausserdem würden bei einem längeren Tunnel die zukünftigen Unterhaltskosten um ein Mehrfaches höher.

Idee einer Einzelinitiative blitzte ab
Pius Diener riet der IG, beim Bezirksrat eine Einzelinitiative einzureichen: «Dann hat der Bezirksrat den Auftrag, die Initiative tief (Variante mit längerem Tunnel, Anm. der Redaktion) vors Volk zu bringen.»

Bruno Werder zeigte sich nicht begeistert vom Vorschlag: «Seit zwei Jahren diskutieren wir mit dem Bezirk. Ich habe das Gefühl, der Ball liegt nicht bei uns.» Bezirksrat Michael Fuchs riet der IG ebenfalls zur Einzelinitiative. Patriza Henkel schien dies zu unsicher: «Es ist der Auftrag des Bezirks, ein mehrheitsfähiges Projekt vor das Volk zu bringen – und zwar nur eine Variante davon. Die Einzelinitiative ist mir zu riskant, denn Immenseer oder Merlischacher würden dann wohl eher der billigeren Variante die Zustimmung geben.»

Immer jemand betroffen
Mathias Bachmann, Präsident der Küssnachter CVP, appellierte an die IG gedeckte Südumfahrung, dass sie an der Bezirksgemeindeversammlung entsprechend Voten ergreifen solle, wenn es um die Steuerpolitik des Bezirks gehe. «Die Bevölkerung und die Parteien senkten die letzten paar Jahre stets die Steuern. Mit dem Projekt Südumfahrung muss auch steuerpolitisch eine Wende erfolgen. Die Bezirksgemeinde muss eine Steuererhöhung anstreben.»

Adi Kälin fand, dass bezüglich dem zweiten Abschnitt eine kantonale Lösung mit Vernunft erfolgen solle. «Es geht heute nicht mehr, dass eine Strasse in einem solch empfindlichen Teil der Landschaft erstellt wird.» Regierungsrat Othmar Reichmuth entgegnete, dass man von ihm nicht erwarten könne, dass er in den Rat zurückgehe und nun alles über den Haufen werfe. «Für eine Strasse vor dem eigenen Haus sind noch nie Jubelrufe ertönt. Wenn wir aber Mobilität wollen, ist immer jemand betroffen.» Die Finanzierung müsse aber im kantonalen Durchschnitt stehen.

SVP-Kantonsrat Beat Ehrler behauptete, der Bezirk habe den Kanton zeitlich und finanziell unter Druck gesetzt. «Das Stimmvolk hat genügend Zeit, noch länger zu überlegen, denn die zweite Etappe ist noch nicht reif.» Reichmuth dementierte den Vorwurf mit klaren Worten: «Diese Aussage stimmt nicht, ich spürte zu keiner Zeit Druck vom Bezirksrat.» Man möchte bewusst auch den zweiten Abschnitt vorlegen, «weil der Stimmbürger wissen muss, was als Zweites kommt.»

Selbst der kalte Oktobermorgen vermochte die erhitzten Gemüter nicht zu besänftigen und die Diskussionen kamen zu keiner Lösung. In Kleingruppen wurde danach jedoch gemässigter weiterdiskutiert.

 
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