| Jungpianist legte Meisterleistung hin |
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| Donnerstag, 22. Dezember 2011 | |
![]() «Jungpianisten haben es nicht leicht», sagte Nadia Tattersal vor dem beflügelten Konzert. Das virtuose Spiel ihres talentierten Gastes zeigte, wie viel Schönes der harte Weg dennoch mit sich bringt. su. «Verehrtes Publikum», begrüsste Nadia Tattersall am Montagabend die Klassikfans in der reformierten Kirche, «Sie sind heute in guten Händen.» Bezogen war ihre Aussage auf die Hände von Florian Gabele, einem talentierten Jungpianisten, der am Montag in der reformierten Kirche vier unterschiedliche Werke präsentierte. In einer sympathischen Einleitung erzählte Tattersal witzige Anekdoten aus dem Leben eines Pianisten, verwies aber auch auf die grossen Herausforderungen, die sich auf diesem «harten, aber nicht uninteressanen Weg» hin zu einem Profipianisten ergeben. Konkurrenzkampf wird immer grösser Immer grösser werde der Druck auf die Musiker, die ihr Handwerk perfekt beherrschen müssten, sich keine Fehler erlauben dürften, weil die Konkurrenz gross sei. «Allein in China lernen 50 Millionen Kinder, Klavier zu spielen», wusste Tattersal zu berichten. Am liebsten, so Tattersal weiter, würden diese ihren Wissensdurst in Europa stillen – dort, wo die Komponisten, deren Werke sie spielen, gelebt und gewirkt haben. Die starke Konkurrenz führe nicht nur zu immer perfekteren Aufnahmen, sondern auch zu einem enormen Leistungsdruck. «Musik ist von Menschen für Menschen, muss also auch menschlich klingen», gab Tattersal zu bedenken und warnte – einen Komponisten zitierend – davor, «mechanisch, also mehr Schreibmaschine als Klavier zu spielen.» Mit viel Gefühl und Menschlichkeit Sehr menschlich zeigte sich Florian Gabele, der vom Verein Beflügelt zu einem Klavier-Rezital eingeladen worden war. Der Jungpianist, der sich an der Zürcher Hochschule der Künste zum Master of Performance – Konzert weiterbilden lässt, legte eine wahre Meisterleistung hin. Eröffnet hatte er den Abend mit Franz Schuberts Opus 142, dem zweiten Band seiner beliebten Impromptus. Perfekt und mit viel Gefühl gespielt, wiesen die vier kleinen Meisterwerke wiesen eine grosse Vielfalt an musikalischen Elementen und Überraschungen auf. Dämonisch bis andächtig Franz Liszts Mephisto Walzer Nr. 1, der auf Schubert folgte, beeindruckte nicht weniger. Unheimlich, ja fast schon dämonisch war die Stimmung, die Gabele am Piano erzeugte. Das energische, überbordende Stück wirkte auf das Publikum zugleich anziehend und abstossend und wurde der Figur, der es gewidmet war – Mephisto aus Lenaus Faust – absolut gerecht. Andächtige Stimmung herrschte, als Gabele Für Alina des estnischen Komponisten Arvo Pärt anstimmte. Eine mystische Aura umgab die Komposition, die Pärt für die kleine Tochter eines Freundes geschrieben hatte. Mit springenden Finger, die zu Ravels Jeux d’eau über die Tasten flogen, beendete Florian Gabele das Konzert. Das Publikum, das sich nun bestens vorstellen konnte, wie Wasser klingen würde, wenn es könnte, überflutete den virtuosen Jungpianisten mit einem lang anhaltenden Applaus. |
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