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Montag, 28. September 2009
77medwedew



Am Dienstag letzte Woche besuchte der russische Präsident Dmitri Medwedew die Innerschweiz. Dabei bekam er ein Chorlied zu hören – arrangiert und vorgetragen von Alvin Muoth aus Immensee.







avd. Alexander Suworow, Dmitri Medwedew und Alvin Muoth; was nach einer beliebigen Aufzählung eines russischen Generals, des derzeitigen russischen Präsidenten und des talentierten Sängers, Komponisten und Dirigenten aus Immensee klingt, hat einige Verbindungen. Diese führten für Alvin Muoth zu einer der prägendsten Erfahrungen seines Lebens.

Suworow
Selten waren Aufregung und Sicherheitsmassnahmen bei einem Besuch eines ausländischen Staatsoberhauptes in der Schweiz so gross wie vor einer Woche. Wichtigste Station auf der Kurzreise von Dmitri Medwedew war das Suworow-Denkmal in der Schöllenenschlucht. Das Denkmal erinnert an die Kampfhandlungen, die 1799 im Rahmen des zweiten Koalitionskrieges in dieser Gegend zwischen napoleonischen Truppen und den von General Suworow befehligten russischen Truppen stattfanden.
Suworows Soldaten fanden über bündnerisch-romanisches Gebiet den Weg in die Schweiz. Über diesen Einmarsch gibt es ein Theaterstück, das 1921 in Brail-Brigels uraufgeführt wurde. Ein Duri Sialm komponierte für dieses Drama verschiedene Lieder für einen Männerchor. Aus Anlass des Suworow-Denkmal-Besuchs von Medwedew trugen einige Bündner Politiker die Idee nach Bern, ein Stück aus dem Drama dem russischen Präsidenten vortragen zu lassen. Anfang dieses Monats gaben die Verantwortlichen in Bern grünes Licht; das Doppelquartett Oct@ aus Graubünden wurde mit der Vorführung beauftragt. Nur fehlte eine typische russisch-rauchige Bass-Stimme, vorzugsweise mit romanischen Wurzeln. So kam Alvin Muoth hinzu. «Das Stück war ja ursprünglich für einen 80-köpfigen Männerchor gedacht. In einer Nacht habe ich es dann für einen 8-köpfigen Chor mit meiner Stimme umgeschrieben», erklärt Muoth, der als Komponist keine Mühe mit dem Arrangieren bekundet.
Dummerweise bleibt kaum Zeit zum Üben. Denn in Graubünden ist Jagdzeit und die meisten Männer des Doppelquartetts sind Jäger. Es sollte trotzdem ein sehr gelungener Auftritt werden.

Medwedew
Am Besuchstag warteten Alvin Muoth und die Männer von Oct@ bereits auf dem Schiff, als ein riesiger Tross aus schwarzen Limousinen Richtung Hafen in Flüelen steuerte. Begleitet vom Schweizer Bundespräsidenten Hans-Rudolf Merz, von Armee-Divisionär Georg Hess und unzähligen Sicherheitsleuten stieg Medwedew aus. «Er sah locker aus und war ruhig», beschreibt Alvin Muoth.
Auf dem Schiff traten die Staatsmänner nahe an Muoth und das Doppelquartett heran. Medwedew gab Muoth die Hand und sagte: «Dmitri.» – «Alvin», entgegnete Muoth, genauso ehrfurchtsvoll wie der russische Präsident. Diese Ehrfurcht mischte sich bei Medwedew während des Vortrags mit Res-pekt und Freude, wie Muoth beobachtete. Anscheinend fand einer der mächtigsten Männer der Welt das Lied und dessen Interpretation ausgezeichnet.
Denn obwohl die Schweizer Organisatoren auf den engen Zeitplan schielten, gab Medwedew Muoth nochmals die Hand und sagte, dass er sich dessen Auftritte in St. Petersburg erinnere. Vor 19 (!) Jahren sang und vor 17 Jahren dirigierte Muoth in der russischen Stadt. Der Schweizer erklärte, dass er gerne wieder einmal in St. Petersburg auftreten wolle. Darauf entgegnete Medwedew auf Deutsch: «Ich werde daran denken.»
Nach der Ankunft in Brunnen lief Medwedew an Muoth vorbei, drehte sich um, und sagte, diesmal auf Englisch: «I remember.»

Muoth
Von dieser eindrucksvollen Begegnung an jenem Dienstag schwärmt Muoth: «Das war etwas Einmaliges, es erfüllt mich mit grossem Stolz und einem riesigen Glücksgefühl.»
Am letzten Freitag, drei Tage nachdem Alvin Muoth mit dem Doppelquartett Oct@ für Medwedew gesungen hatte, erhielt Alvin Muoth zu Hause in Immensee einen Anruf.
An der anderen Leitung war das russische Konsulat in Bern. «Herr Medwedew will mehr von Ihnen wissen», richteten die Diplomaten aus. «Der Präsident will, dass Sie unbedingt nach St. Petersburg kommen.»
 
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