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Ortsplanung: Die Nachfrage wird immer gross sein Drucken E-Mail
Montag, 31. Januar 2011
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Die aktuelle Ortsplanungsrevision kommt dem Wunsch der Bevölkerung nach einem moderaten Wachstum entgegen. Weil der Bezirk als Wohnort sehr attraktiv ist, kann die grosse Nachfrage nach Wohnraum auch in Zukunft kaum gestillt werden, sagt Bezirksrätin Carole Mayor.




avd. In der aktuellen Medienmitteilung des Bezirksrats (FS vom letzten Freitag) ist von 25 Änderungsanträgen die Rede, die ganz oder teilweise berücksichtigt werden konnten. Welcher Art waren die Anträge?
Carole Mayor: Ein Teil davon waren Wiedererwägungen; also Anträge, die wir zuerst ablehnten und nach einer zweiten Prüfung darauf eingetreten sind. Dabei handelt es sich zum Beispiel um Abrundungen von bestehenden Wohnzonen oder Aufzonungen. Auch haben Ortsparteien, Interessensvertreter, Nachgargemeinden und Kommissionen Eingaben gemacht, welche geprüft und zum Teil berücksichtigt werden kommten.

In der Medienmitteilung ist auch von einer Wohnbaugenossenschaft die Rede, welche das preiswerte Bauland mit kostengünstigen Wohnungen bebauen soll. Ist hier die bestehende Wohnbaugenossenschaft Küssnacht gemeint oder werden weitere Genossenschaften in Betracht gezogen?
In erster Linie haben wir natürlich an die Wohnbaugenossenschaft Küss-nacht gedacht. Aber der Bezirksrat kann nicht in ihrem Namen sprechen. Es liegt jedoch auf der Hand, dass wir als erstes das Gespräch mit der Wohnbaugenossenschaft Küssnacht suchen werden. Schliesslich verfügt diese über eine ausgewogene Zusammensetzung von Fachleuten, und die Interessen des Bezirks sind ebenfalls vertreten.

Gemäss dem neuen Raumkonzept Schweiz des Bundes soll unverbautes Land erhalten und bestehendes Siedlungsgebiet erweitert werden. Gerade im ländlichen Raum soll sich die Siedlungsentwicklung auf die Aufwertung der Ortskerne konzentrieren. Nun soll im Bezirk unverbautes Land neu eingezont werden. Damit wird das unverbaute Land noch knapper…
Aufgrund der kantonalen Vorgaben hätten wir noch mehr Land einzonen können. Wir waren jedoch zurückhaltender, weil wir den Wunsch der Bevölkerung nach einem moderaten Wachstum berücksichtigt haben. Um auf das neue Raumkonzept einzugehen, hätten wir wieder bei Null beginnen müssen. Mit der aktuellen Ortsplanungsrevision sind aber die Voraussetzungen gegeben, beim nächsten Mal auf einige Punkte des Raumkonzepts einzugehen. Ausserdem richten wir uns in erster Linie nach den kantonalen gesetzlichen Vorgaben und dem kommunalen Richtplan. Auf diesen sorgen begrenzte Siedlungserweiterungsgebiete und Siedlungstrenngürtel, dass der Bezirk nicht zu sehr in die Breite wächst.

War man bei den Umzonungen im Küssnachter Dorfzentrum in eine höhere Wohnzone gar zu vorsichtig?
Im Gegenteil. Die Erhöhung der Ausnützungsziffer von 1,2 auf 1,8 in der Kernzone II und der Zentrumszone III war zum Beispiel ziemlich gross. Trotzdem sollte man bei einer Verdichtung im Zentrum vorsichtig sein, um dessen Charakter beizubehalten.

Gerade die Bahnhofstrasse steht in einem – oft nicht unumstrittenen – Wandel, was die Architektur betrifft. Die Leute sind verunsichert, wohin die Entwicklung führt.
Diese Bedenken kann ich durchaus nachvollziehen. Letztlich ist es bei einzelnen Gebäuden eine Frage des Geschmacks, ob einem die Architektur gefällt. Die Ortsbildkommission hat jedoch nicht über Geschmacksfragen zu streiten, sondern fällt Entscheide aufgrund fester Kriterien. Solche Fragen werden uns auch in Zukunft beschäftigen.

Immensee wächst immer mehr in die Breite – von der Überbauung Ribetschi/Martisweid bis zum Chriesiweg. Umso wichtiger ist eine konzentrierte Zentrumsgestaltung. Was ist hier noch möglich?
Rund um den Dorfplatz stehen in Immensee einige schützenswerte Bauten. Hier werden bauliche Veränderungen schwierig. Es gibt aber rundherum noch Gebiete, die bebaut werden können, wie aktuell in der Hausmatt.

In Merlischachen stieg die Bevölkerungszahl in den letzten zehn Jahren um 340 Einwohner. Der Ortskern besticht durch die schönen Holzhäuser. Wie soll Merlischachen künftig wachsen?
Natürlich ist das Zentrum mit seinen Holzhäusern schützenswert. Deshalb haben wir uns auf Neueinzonungen in den Gebieten Räbmatt und Burghof konzentriert.

Besonders das Gebiet Burghof wirft Fragen auf. Hier wird doch schönes Land an guter Lage für eine Handvoll Villen verschwendet. Das spült zwar wieder einen schönen Batzen in die Bezirkskasse, aber dafür besetzt ein Dutzend Menschen verhältnismässig viel Land…
Erst einmal gibt es im Bezirk keine schlechten Lagen. Dann ist der Bezirksrat bestrebt, einen guten und möglichst vollständigen Mix an Wohnraum anzubieten. Das Gebiet Burghof mit seiner Landhauszone deckt nun einen wichtigen Teil ab. Und drei- oder vierstöckige Wohnblöcke hätten nicht ins Gebiet Burghof gepasst. Dafür wurde im Gebiet Räbmatt  die höheren Zonen W2A und W2B vorgesehen, welche laut Baureglement Bauten mit zwei Vollgeschossen und einem Attikageschoss ermöglicht.

In 15 Jahren soll die Bevölkerung im Bezirk Küssnacht um 2000 Einwohner wachsen. Bei der hohen, vor allem steuerlichen Attraktivität werden wahrscheinlich noch mehr Menschen in den Bezirk ziehen wollen. Einfach keine Wohnungen mehr anzubieten, ist keine Lösung, da die Immobilienpreise noch mehr steigen.
Der Bezirk ist attraktiv, nicht nur wegen der Steuern. Hier gibt es gute Schulen, ein Gymnasium, eine sehr gute Infrastruktur, ein gutes ÖV Angebot, die Lage an Vierwaldstätter- und Zugersee, die Nähe zu Luzern, Zug und Zürich sowie rundherum Erholungsgebiete. Die Bevölkerung gab dem Bezirksrat den Auftrag, die Siedlungsentwicklung zu steuern; an das halten wir uns. Insofern wird die Nachfrage nach Wohnraum im Bezirk immer gross sein. Wir haben mittlerweile gute Instrumente, um der Nachfrage nach Wohnraum im Mittelpreis-Segment nachzukommen. Wohnungen im unteren Preissegment zu erstellen stellt weiterhin eine Herausforderung dar, welche vor allem über Landkäufe durch den Bezirk und deren Bebauung durch eine Wohnbaugenossenschaft zu realisieren sein wird.
 
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