| Referat: Daneben sein, um dazu zu gehören |
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| Donnerstag, 4. November 2010 | |
![]() Psychologin Manuela Herrmann regte am Dienstag an einem Referat Eltern dazu an, die Pubertätskrise als Chance zu sehen. Und in unaufgeräumten Zimmern einen Ausdruck von Kreativität. su. «Was sehen Sie auf diesem Bild?», fragt Manuela Herrmann die anwesenden Eltern in der Ebnet-Aula. Ein Raunen geht durch die Reihen. «Chaos», sagt ein Mann. «Als wäre eine Bombe explodiert», sagt eine Frau. «Ein Durcheinander», pflichtet ihre Begleitung bei. Von herumliegenden Kleidern und unaufgeräumten Zimmern Die Rede ist vom Zimmer eines pubertierenden Mädchens, das auf die Leinwand projiziert ist. Manuela Herrmann fragt anders: «Was ist schön an diesem Bild?» Sie erntet zögernde Antworten. «Eigentlich nichts», so die Meinung der Anwesenden. Die Referentin vollzieht einen Perspektivenwechsel und beschreibt das Zimmer aus einer anderen Warte. «Schauen Sie sich die Wand mit all den Postern an. Schauen Sie, wie sie angeordnet sind. Ganz schön kreativ, nicht wahr?» Die Eltern bejahen. Herrmann fährt fort: «Des weiteren sehe ich zwar Chaos, aber ich sehe nichts Destruktives. Keine kaputt gemachten Gegenstände. Keine Wut. Nur viele Kleider, die am Boden liegen.» Herumliegende Kleider gehören zur Pubertät dazu, sagt Manuela Herrmann. Die Jugendlichen markieren ihren Raum und definieren ihre Rückzugsorte. Da überrascht es nicht, dass sie ihr ehemaliges Kinderzimmer so gestalten, dass es die Eltern eher abschreckt als anzieht. Balanceakt zwischen Verantwortung und Vertrauen Es verwundert nicht, dass pubertierende Jugendliche des öfteren neben den Schuhen stehen. Dies, so Manuela Herrmann, sei hormonell bedingt und gründe in einem strukturellen Wandel im Gehirn, der die psychische Ablösung von den Eltern unterstützte. Ein Gewitter im Hirnlappen, nannte ihn die Psychologin zur Verdeutlichung, was der Grund sei, weshalb Pubertierende oftmals emotional und für Erwachsene unerklärbar reagieren. Was paradox anmutet gehört zum Kreislauf des Lebens: «Ihr daneben sein entspringt dem Wunsch, dazu zu gehören», erklärt Herrmann. Aber: Dazugehören wollen sie zu einem neuen Ort, weg vom Elternhaus, hin zum eigenen Leben. «Das ist natürlich und gut», sagt Manuela Herrmann. Sie stellt klar: «Daneben sein ist Ansichtssache» und appelliert an die Eltern, sich nicht von aussenstehenden Meinungen beeinflussen zu lassen, sondern darauf zu hören, was für sie und die Beziehung zum Kind stimmt. Und darauf zu vertrauen, dass der Boden des Kinderzimmers irgendwann wieder sichtbar wird. |
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