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Schwere Stunden für Schrebergärtler Drucken E-Mail
Dienstag, 2. November 2010
87schrebergarten

Die Abstimmung im Frühjahr über die Überbauung Chaspersmatte brachte einige wache Nächte. Denn die Schrebergärtler wollen ihre grüne Oase nicht hergeben. Darum bemüht sich der Bezirk um Ersatz.






kre. 1991 war es, als es an der Bezirksversammlung zur ersten Abstimmung Wohnraum Chaspersmatte kam. Damals plante eine Wohnbaugenossenschaft eine Überbauung. Doch das Volk jagte die Vorlage bachab, die Genossenschaft wurde ein paar Jahre später aufgelöst.

Auch mit diesem Nein war den Schrebergärtlibauern bewusst, dass das Thema vom Wohnraum nicht vom Tisch war. Darum gelangten sie an den Bezirk mit der Bitte, ihnen eine gewisse Sicherheit zu bieten. Die Rede war von mehrjährigen Verträgen, damit die Gärtlianbauer wussten, wie lange sie noch ihre Salate, Beeren und Rüebli anpflanzen durften.

Land der Glashütte
Der Bezirk zeigte kein Interesse an Verträgen oder an einer Umgestaltung, um unter anderem einheitliche und damit schöne Wege zu schaffen. Das Land, welches der Bezirk der ehemaligen Glashütte abgekauft hatte, wurde von dieser seinen Arbeitern zum Gartenanbau zur Verfügung gestellt.

Für viele war es der ideale Ausgleich zur harten Schichtarbeit in der Glashütte. Lieber zwei Stunden länger im Garten verweilen und dafür weniger schlafen. Es war Entspannung und Balsam für die Seele, wie Nachkommen erzählen.

Seit Generationen im Garten
So gingen die Gärtli von einer Generation zur andern weiter. Viele der jetzigen Gärtlibesitzer verbrachten schon viel Zeit mit ihren Grossvätern und Vätern im Garten. Auch jetzt noch verbringen sie ihre freie Zeit im Garten, manchmal bereits mit ihren Enkeln.

Sie erholen sich von der Arbeit oder geniessen es als Rentner, frisches Gemüse ernten zu können. Die Schrebergärten sind nicht nur Gärten, sie sind für viele die Lunge, ihre grüne Oase und ihr Lebensinhalt. Schlaflose Nächte hat es gegeben, als bekannt wurde, dass die Gärten nun definitiv einer Überbauung weichen müssen, erzählen sie dem Freier Schweizer und ihre Augen werden traurig.

Wohnen oder Arbeit?
Einmal sei sogar die Idee aufgekommen, auf diesem Flecken eine zentrale Bezirksverwaltung zu erstellen. Wolfgang Lüönd erklärt: «Mit der Reorganisation der Verwaltungen in Bezirk und Kanton, durch das Zusammenlegen der einzelnen Bereiche wurde ein grosses Gebäude jedoch hinfällig.»

Um so lauter wurde der Ruf nach billigen Wohnungen im Bezirk. So wurde die Idee von 1991 wieder aufgenommen und der Bezirksversammlung vorgelegt. Dieses Mal mit Erfolg, sehr zum Leidwesen der Gartenanbauer. Der Bezirk möchte die Hoppygärtner aber nicht einfach ins Leere laufen lassen. Mitte 2010 bekamen alle Besitzer ein Schreiben des Bezirks, in dem angekündigt wurde, dass sich der Bezirk auf die Suche nach einem Ersatzland machen würde, falls das Interesse bestehe.

Und dieses Interesse ist vorhanden. Aber natürlich kommt es auf den Standort an, wie von verschiedener Seite zu hören ist. Beim Bezirk ist man immer noch auf der Suche. «Es muss bezirkseigenes Land sein und uns ist klar, dass es gut erreichbar sein muss», fügt Landschreiber Wolfgang Lüönd an.

Gerade ältere Schrebergärtler wollen nicht mehr weitermachen. Sie hätten am jetzigen Standort ideale Verhältnisse vorgefunden, aber noch einmal neu beginnen – das sei zu aufwendig. Traurig meinen sie weiter, ihnen werde mit dem Gärtli ein grosses Stück Lebensqualität genommen.

Baubeginn erst 2011
Heute und morgen werden die Bagger auf der Chaspersmatte nicht auffahren. Zurzeit liege der Gestaltungsplan beim Regierungsrat, danach folge das Verfahren der Baubewilligung im Bezirk, wie von Wolfgang Lüönd zu erfahren ist. Je nach Einsprachen rechnet der Vorstand der Wohnbaugenossenschaft mit einem Baubeginn Mitte oder Ende 2011.

Somit ist klar, dass die Schrebergärtler ihre Winter- und Frühlingszwiebeln noch setzen können, vielleicht reicht es sogar noch für Salate. Wo danach die Radieschen und Kürbisse gesetzt werden können, wollen die Verantwortlichen des Bezirks möglichst bald bekannt geben.

Kostengünstig Wohnen
kre. Die Wohnbaugenossenschaft hält Mitte März 2011 ihre Jahresversammlung ab. An dieser wird der weitere Fahrplan besprochen. Auf der Chaspersmatte plant die Genossenschaft kostengünstige 4,5-Zimmer Mietwohnungen.

In der ersten Etappe sollen 18, danach nochmals 6 Wohnungen realisiert werden. Der Preis pro Wohnung soll unter CHF 2000.– inkl. liegen. Die 6 Anteilscheine à CHF 1000.–, die bei Mietbeginn gezeichnet werden müssen, sollen aus der 2. Säule bezahlt und bei Auflösung des Mietverhältnisses zurück erstattet werden.

 
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