| Warum nicht eine Lehre als Polymechanikerin? |
|
|
| Montag, 14. März 2011 | |
![]() Gleichberechtigung wird seit Jahren immer wieder heraufbeschworen. Doch in der Berufswelt gibt es immer noch typische Frauen- und Männerberufe. Dass es auch anders geht, zeigte sich am Meilenstein-Podiumsgespräch der ersten Oberstufe im Bezirk. avd. Am letzten Donnerstag absolvierten erstmals die Schülerinnen und Schüler der ersten Oberstufe einen Berufswahl-Meilenstein. Unter anderem stand ein interessantes Podiumsgespräch auf dem Programm. Das Thema: Offene Berufswahl. Klischee hält sich weiter In der Aula Ebnet hatte der Meilenstein-Verantwortliche Ernst Sidler zu Beginn einige eindrückliche Zahlen parat. So entscheiden sich schweizweit zwei Drittel aller Jugendlichen für eine Lehre – und wählen seit dreissig Jahren fast die gleichen Berufe. Deren stehen gegen 230 zur Verfügung. Die Mehrheit der Mädchen sieht sich gerade einmal 10 davon an. Die Knaben hingegen wählen aus 100 Berufen aus. «Klar», sagte Ernst Sidler, «Viele Berufe sind handwerklicher Natur.» Trotzdem appellierte der Werkschullehrer: «Die Mädchen sind durchschnittlich besser in der Schule. Trotzdem beschneiden sie sich stark in ihren Entwicklungsmöglichkeiten.» Das müsse nicht sein, weshalb Sidler vier Jugendliche als Gesprächsgäste eingeladen hat. Zwei Jungs absolvieren eine typische Mädchenlehre, zwei Mädchen eine typische Jungenlehre. Auf Sidlers Frage, wann die Jugendlichen denn sich für ihren Beruf entschieden haben, antwortete die angehende Polymechanikerin Romana Gander, sie sei mitte des zweiten Sekundarjahres auf den Beruf gestossen. Ähnlich ging es Enes Jakupovic, der bald eine Lehre als Coiffeur abschliesst. Stefan Bachmann, der im Spital Einsiedeln als Fachangestellter Gesundheit ausgebildet wird, hat sich für seinen Beruf erst mitte des 10. Schuljahres entschieden. Im Gegenteil zur angehenden Schreinerin Marina Camenzind, die «schon länger» gewusst habe, welchen Beruf sie ins Auge fassen wird. Hat jemand aus dem Umfeld die Berufswahl beeinflusst? Alle vier Jugend-lichen verneinten diese Frage. Ihre Familien haben sie stets unterstützt und ihnen freie Wahl gelassen. Auch auf dem Pausenplatz habe man die ungewöhnliche Wahl gut aufgenommen. Nicht mehr Mühe als bei anderen Stellen Auch bei den zukünftigen Lehrmeis-tern sind die vier Jugendlichen auf keine Abwehrreaktionen gestossen – zumindest auf nicht mehr als anderswo. So sagte Stefan Bachmann, dass es allgemein schwierig sei, eine Stelle als Fachangestellter Gesundheit zu bekommen, weil das Lehrangebot begrenzt ist. Gleich verhielt es sich in Berufsschule und Betrieb. Von Vorurteilen sei keine Rede. Nur Marina Camenzind gab zu, auf der Baustelle schon den einen oder anderen Spruch gehört zu haben. Wer die Sprache der Bauarbeiter kennt, weiss aber, dass solche Sprüche nicht ernst zu nehmen sind. Alles in allem hatten die vier Jugendlichen sich sehr positiv zu ihren Lehrberufen geäussert. Dazu Enes Jakupovic: «In der Berufsschule bin ich von schönen Frauen umgeben.» Zum Schluss gaben die Jugendlichen den Schülern wertvolle Tipps auf den Weg. So lohnt es sich, möglichst früh – ab dem ersten Oberstufenjahr – mit dem Schnuppern zu beginnen und sich möglichst breit über mögliche Berufe zu informieren. Auch soll die Schule nicht vernachlässigt werden. Der Beruf sollte entweder längere Zeit gefallen oder viele Weiterbildungsmöglichkeiten bieten. Die anschliessende Fragerunde fiel kurz aus. Eine Schülerin fragte, ob Enes Jakupovic sich bei einer Kundin denn schon mal verschnitten habe. Darauf Jakupovic: «Ich arbeite sehr vorsichtig und werde immer von einer Fachperson beaufsichtigt. Darum hatte ich kaum grosse Fehler.» Nach gut Dreiviertelstunden war das Podiumsgespräch zu Ende. Zurück blieben den Schülerinnen und Schülern neue Betrachtungsweisen, was die offene Berufswahl betrifft. |
| < Zurück | Weiter > |
|---|








