| Wenn das Feriendomizil zum Krisengebiet wird |
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| Donnerstag, 17. Februar 2011 | |
![]() Die Pensionäre Paul Lüthi und Bruno Beutler mussten ihre Ferien in Ägypten vorzeitig abbrechen. Sie und zahlreiche andere Schweizer wurden vom EDA zurückbeordert. Der FS sprach mit den beiden Küssnachtern über ihre Erfahrung. ![]() bro. Paul Lüthi und Bruno Beutler lieben das Reisen. Vor allem in den kalten, trüben Wintermonaten zieht es die beiden Rentner in den warmen Süden. Seit einiger Zeit ist Ägypten ihr Lieblingsreiseziel. «Wir sind richtige Ägypten-Fans», so Lüthi. Die Wohnung der beiden ist mit Bildern und Andenken an das Land am Nil geschmückt. Keine Anzeichen für Unruhen Auch in diesem Jahr zieht es Lüthi und Beutler wieder nach Ägypten. Anfang Januar fliegen sie nach Luxor, wo sie die ersten beiden Wochen verbringen. In Tunesien ist damals der Aufstand bereits in vollem Gange, während in Ägypten von einem Widerstand noch nicht zu spüren ist. «Alles verlief ganz normal. Wir haben uns ausgeruht und Ausflüge gemacht», erinnert sich Lüthi. Nach den beiden Eingewöhnungswochen fahren die beiden südlich nach Assuan. Geplant ist ursprünglich ganze zwei Monate, also bis Ende Februar, in Ägypten zu bleiben. Fünf Tage ohne Telefon und Internet Bereits in der ersten Assuan-Woche geht es los. «In Assuan selber blieb es ruhig. Doch von Tag zu Tag gab es immer weniger Touristen», erzählt Lüthi von den Geschehnissen. Von den 300 Schiffen, die auf dem Nil zwischen Luxor und Assuan verkehren, werden die meisten nach Luxor zurückbeordert. Zudem werden die amerikanischen Touristen als erste von ihrer Regierung zurückgeholt. «Die Unruhen in Kairo schwappten nach Alexandria und Suez über, wo Regierungsgebäude in Flammen aufgingen.» In Assuan aber, erfahren Paul Lüthi und Bruno Beutler nur übers Fernsehen von den Unruhen. «Wir erhielten einen Fax von unserem Reiseveranstalter, in dem stand, dass am Roten Meer und im Niltal keine Gefahr bestehe und wir unsere Ferien weiterhin geniessen können», erinnert sich Lüthi weiter. Dann aber werden Internet, Telefonzentralen und Handy-Stationen gekappt. Zudem wird der Zugverkehr nach Kairo eingestellt. «Langsam machte sich ein ungutes Gefühl breit, aber wir hatten keine Angst, denn ausser ein paar wenigen Gruppen Jugendlicher, die gegen die Regierung skandierten, blieb es in Assuan weiterhin ruhig. Touristen waren nie in Gefahr» EDA ruft Schweizer zurück Nun geht es Knall auf Fall: «Fast alle TV-Stationen riefen im Auftrag ihrer Regierungen ihre Landsleute aus Ägypten zurück. Auch die Schweiz.» Lüthi und Beutler werden ebenfalls von ihrem Reiseveranstalter aufgefordert, ihre Ferien abzubrechen und sich drei Tage später in Hurghada am Roten Meer einzufinden, von wo aus sie nach Hause geflogen werden. Für die Fahrt von rund 400 Kilometern hat ihnen der Reiseveranstalter Wagen und Chauffeur zur Verfügung gestellt. Weshalb sie nun plötzlich doch die Heimreise antreten sollen, ist für die beiden Pensionäre zu diesem Zeitpunkt nicht verständlich. Sie setzen sich mit ihrem Reiseagent in Verbindung und fragen, ob sie nicht bleiben können. «Nur auf eigene Verantwortung wurde uns missverständlich klar gemacht. Ausserdem wäre bis Ende März kein Flug mehr garantiert. Es blieb uns nichts anderes übrig, als zu gehorchen und nach Hause zu fliegen», so Lüthi. Auf dem Weg nach Hurghada machen Lüthi und Beutler in Luxor Mittagspause. Wo vor nicht einmal einer Woche noch eine lebendige Stadt gewesen war, ist sie nun wie ausgestorben. Statt der bekannten auf Touristen wartenden Pferdekutschen stehen Panzerfahrzeuge und soldaten vor den eingängen der grossen Hotels. Die zurückbeorderten Schiffe verstopfen den Hafen. Wo sonst über 50 Personen Mittag essen, waren nebst Lüthi und Beutler nur noch drei weitere Personen am Speisen. Mit einem flauen Gefühl im Magen geht es weiter nach Hurghada. Hier verbringen Lüthi und Beutler ihre letzte Nacht, bevor sie zurück nach Zürich geflogen werden. «Jetzt im Nachhinein hat das EDA richtig gehandelt, indem es alle Landsleute zurückgerufen hat», ist Beutler überzeugt. Schönes Wetter half bei Anklimatisierung Im Gegensatz zu früheren Reisen ist dieses Mal ausser Spesen nicht viel gewesen. «Dennoch hat sich der Aufenthalt in diesem sowohl kulturell wie landschaftlich hochinteressanten Land gelohnt. Sind wir doch – wenn auch nur als Zuschauer – Zeugen eines historischen Augenblicks geworden, der für uns Schweizer sehr beeindruckend war. Ohne massives Blutvergiessen ist es der jungen Generation gelungen, ein neues Kapitel ihrer Geschichte zu schreiben. Mögen ihre grossen Erwartungen nun in Erfüllung gehen», erklärt Lüthi. Lüthi ist froh darüber, dass sie ihre Reise über eine Reiseagentur gebucht haben: «Hätten wir alles im Internet gebucht, wären wir vielleicht heute noch in Ägypten.» In ihrem Hotel, in dem sonst über 400 Gäste logieren, ist heute nur noch ein Pärchen aus England. «Die Engländer wurden von ihrer Regierung nicht zurückgerufen. Mit dem Ehepaar stehen wir noch in Kontakt und sie meinten, es sei fürchterlich langweilig, weil ausser ihnen niemand mehr da sei.» Für die entstandenen Unkosten werden Lüthi und Beutler von ihrer Reiseagentur entschädigt und erhalten einen Gutschein für ihre nächste Reise. «Wir konnten wählen, ob wir eine Rückvergütung oder einen Reisegutschein wollten. Da wir vorhaben, sobald es die Lage zulässt, wieder nach Ägypten zu fliegen, haben wir uns für den Gutschein entschieden.» Wann das jedoch sein wird, dass können die beiden auch noch nicht sagen: «Während unseres Aufenthaltes ist uns aufgefallen, dass die Leute viel zu optimistisch waren. Viele glaubten, sobald Mubarak verschwinde, würden sich ihre Probleme von einem Tag auf den anderen lösen.» |
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