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Wenn Stahlmänner am Boden liegen Drucken E-Mail
Donnerstag, 28. Oktober 2010
86schattenzuege

Am 12. November werden die Projekte in der Chlausjägergasse offiziell eingeweiht. Eines davon, Schattenzüge, erhält derzeit von den Bildhauern Nicolas Wittwer und Thomas Baggenstos den letzten Schliff.






avd. Wie grosse Hummeln drangen am letzten Dienstag Geräusche aus dem Atelier von Nicolas Wittwer und Thomas Baggenstos in Merlischachen. Die mit Staub bedeckten Fenster strahlten schwach in die kalte Abendluft.

Im Atelier knieten die beiden Bildhauer vor je einer Chlausjäger-Figur und bearbeiteten deren rostiges Stahlgewand mit Schleifmaschinen. «Damit heben wir die Patina des Stahls heraus», erklärte Nicolas Wittwer. Doch schon zuvor mussten der Geisselchlepfer, der Hornbläser, der Iffelenträger und der Trychler einige Torturen überstehen.

Plasmastrahl und Salpetersäure
Anlässlich des Projektwettbewerbs für die Neugestaltung der Chlausjägergasse fertigten Wittwer und Baggenstos eine Skizze an. Diese Skizze vergrösserten die beiden auf Originalgrösse. Die grosse Skizze wurde auf Holz übertragen. Das Holz wiederum diente als Schablone für das Stahlblech. Dieses konnte Wittwer von seinem Vater beschaffen, der Metallschlosser ist. Das Stahlblech wurde mittels Plasmastrahl zugeschnitten und die ausgefranzten Kanten zurechtgeschliffen.

Dann dienten die Stahlfiguren selbst als Schablone. Denn sie sollen später in Stein eingefasst werden; und zwar ebenerdig. «Die Fussgänger müssen sich also um Schwellen keine Sorgen machen», sagte Thomas Baggenstos.

Die beiden Bildhauer teilten sich die Arbeit in dieser Phase auf: jemand bearbeitete den Stein, der andere den Stahl. Dieser sollte möglichst rasch rosten. Also halfen die beiden mit Salpetersäure nach, um den Vorgang zu beschleunigen. Die als Flachrelief bezeichneten Konturen und Schattierungen standen als nächstes auf dem Arbeitsplan. Nun also werden die vier Figuren geschliffen. Doch bis die Chlausjäger in die gleichnamige Gasse eingelassen werden, fehlen noch ein paar Schritte.

Rutsch- und wetterfest
Nach dem Schliff überziehen Wittwer und Baggenstos die Figuren mit Industrieharz. «Damit rosten die Figuren nicht weiter», erklärte Baggenstos. Damit die Fussgänger bei nassem Wetter auf dem Metall nicht ausrutschen, kommt auf die Figuren noch Quarzsand.

Mit langen Schrauben werden die Figuren im Stein befestigt. Dazwischen verhindert eine Lage Kunststoff den blechernen Klang, der zwischen Metall und Stein entstehen würde.
Bis jetzt haben Wittwer und Baggenstos knapp 500 Arbeitsstunden in das Projekt Schattenzüge investiert. Besondere Probleme sind nicht aufgetaucht. «Von der zeitlichen Beanspruchung her sind auch alle Arbeitsschritte etwa gleich lang», sagte Nicolas Wittwer. Einzig ein Stein musste ausgetauscht werden, da er einen Hohlraum enthielt. «Das ist eben die Natur.»

Für beide Bildhauer sei es eine grosse Ehre, den beliebten Küssnachter Brauch mit dem Projekt Schattenzüge für die Ewigkeit festzuhalten. Die Zusammenarbeit mit René Räber und Franz Sidler sei hervorragend: «Es war eine reine Freude zu sehen, dass die St. Niklausengesellschaft Küssnacht mit zunehmendem Fortschritt der Arbeit auch mehr Vertrauen in uns gefasst hat.» Schliesslich gab es in der Bevölkerung einige Zweifel. Davon liessen sich die Gesellschaft und die Künstler aber nie beirren.

Haben Wittwer und Baggenstos nichts dagegen, wenn ihr Werk bald mit Füssen getreten wird? Beide schmunzeln und antworten: «Wir wussten ja, worauf wir uns einlassen.» Die Figuren wird es auch kaum stören: Sie sind rund 1,9 Meter lang und aus je 60 Kilogramm Stahl.
 
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