| Wenn Visionen zu Massnahmen werden |
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| Montag, 28. Juni 2010 | |
![]() Seit gut einer Woche ist der Bezirk Küssnacht offiziell eine Energiestadt. Der Label-Vergabe ging harte Arbeit voraus. Auch in Zukunft sollen Visionen definiert werden, aus denen Massnahmen folgen: für Hauswarte, Geschäftsführer, Private und Behörden. avd. Wohin will der Bezirk Küssnacht bei der Energiepolitik? Das Fernziel ist klar: die 2000-Watt-Gesellschaft. Dass der durchschnittliche Energieverbrauch pro Person nicht von heute auf morgen um rund 4000 Watt gesenkt werden kann ist klar. Trotzdem braucht es laut Michael Lutz, Umweltbeauftragter des Bezirks, ein Ziel und eine Leitlinie, die dorthin führen soll: «Es geht einerseits darum, den generellen Energieverbrauch zu reduzieren. Andererseits soll der Schwerpunkt der Energiequellen klar in Richtung erneuerbare und umweltschonende Energie gelegt werden.» Nichts für die Schublade Das Fernziel ist also definiert. Nun braucht es eine Leitlinie – ein Navigationsgerät, das mögliche Massnahmenstaus, ständiger Kreiselverkehr und kostspielige Umwege ersparen soll. Bei seinem früheren Arbeitsort Kriens erhielt Michael Lutz erste Einblicke in das Programm zum Label Energiestadt: «Das ist ein gutes Programm, schlank und auf die jeweilige Gemeinde anpassungsfähig.» Und: «Es hat Hand und Fuss, ist also kein Projekt für die Schublade.» Mittlerweile tragen über 200 Schweizer Gemeinden das Label Energiestadt. Es ist aber nicht die einzige Möglichkeit, die 2000-Watt-Gesellschaft zu erreichen. Die Stadt Zürich zum Beispiel hat das Ziel gleich in die Gemeindeordnung aufgenommen. Für Michael Lutz und den Bezirksrat schien das Energiestadt-Programm der richtige Weg, «weil es den Gemeinden eine grosse Flexibilität erlaubt.» Das Programm Energiestadt enthält 87 Punkte, die frei wählbar von den Gemeinden erfüllt werden können. Die Punkte sind in sechs Kategorien gegliedert: Entwicklungsplanung/Raumordnung, kommunale Gebäude/Anlagen, Versorgung/Entsorgung, Mobilität, interne Organisation sowie Kommunikation/Kooperation. Werden von den 87 Punkten mindestens 50 Prozent erreicht, erhält die Gemeinde das Label Energiestadt. Ist- und Soll-Zustand Erleichtert wurde und wird die Aufgabe, weil die Einwohner des Bezirks schon länger einer fortschrittlichen Energiepolitik aufgeschlossen sind. So stimmten die Bürger nicht nur Ja für das kantonale Energiegesetz, sondern hiessen auch die schärfere Energie-Initiative gut. «Das ist auch auf den Energieberaterverein zurückzuführen», begründet Lutz, «Dieser hat die Bevölkerung seit vielen Jahren kompetent für Energiefragen sensibilisiert.» Diese Arbeit trage nun Früchte. Ein externes Beratungsteam hat ausführlich Stärken und Schwächen in der Küssnachter Energiepolitik aufgeführt. Dieser Ist-Zustand wurde mit dem Massnahmenkatalog des Energiestadt-Projekts verglichen. Daraus konnte Michael Lutz erste Punkte in Angriff nehmen. Er wählte die Punkte danach aus, wo das Potential verbessert werden kann und welche Massnahmen zu welchen Kosten wann umgesetzt werden. Natürlich gebe es Punkte, die alleine schon wegen des hohen finanziellen Aufwands vorerst nicht realisiert werden können. Genauso gibt es Massnahmen, die mit geringem Aufwand ergriffen werden können oder wenigstens zu einem Teil. Gespräche mit Gewerbe Ein wichtiger Pfeiler für das Erreichen des Fernziels ist das lokale Gewerbe. In Gesprächen mit Vertretern des örtlichen Kleingewerbes und der KMU versucht Lutz, auf das Thema aufmerksam zu machen. So wird das Gewerbe dazu angehalten, wenn möglich energieeffiziente und ökologisch vorteilhafte Produkte herzustellen. Das hat laut Lutz den Vorteil, dass das Geld der Kunden, die diese Produkte nachfragen in Küssnacht bleibt: «Die Betriebe erhalten die Chance, in eine zukunftsorientierte Branche zu investieren und sich – auch mit Hilfe des Bezirks – daraus einen Wettbewerbsvorteil zu ziehen.» Als zweites beginnen nun Gespräche über die Verbesserung des Energieverbrauchs. Das hat durchaus einen wirtschaftlichen Nutzen, «denn das wirkt sich direkt auf die Betriebskosten aus.» Als Beispiel wurde unter den Marktplatz-Mitgliedern eine Umfrage gemacht, wie die Geschäfte ihren Beitrag zur Reduktion des Energiebedarfs leisten können. «Zum Beispiel müssen die Schaufenster nicht die ganze Zeit beleuchtet werden», sagt Michael Lutz. Anreize für die Bevölkerung Auf der anderen Seite sind auch Private aufgerufen, etwas beizutragen. Das geschieht zum Beispiel über Subventionen des Bezirks für die Anschaffung von Solarkollektoren. «Für solche Programme sind im Budget sogenannte investitionsauslösende Mittel vorgesehen», erklärt Lutz. Nachdem dieses Jahr Mittel für Solarkollektoren bereitgestellt wurden, die im Übrigen schon fast aufgebraucht wurden, überlegt man sich nun, welche investitionsauslösende Mittel nächstes Jahr gefördert werden. Zudem werden Solarkollektoren neu auch vom Kanton subventioniert; eine Zweigleisigkeit macht wenig Sinn. Mit den Fahnen mit dem Energiestadt-Logo, die im Bezirk gehisst sind, will sich der Bezirk keinesfalls brüsten, wie Lutz erklärt. Vielmehr gehe es darum, das gemeinsam Erreichte und das Fernziel in der Gesellschaft zu verankern. Dabei wird auch hier die Zukunft angepackt. So wird es ab dem nächsten Schuljahr Energie-Projekte geben. Zum Beispiel erstellen die Schüler selbst eine kleine Solaranlage. «Dadurch erhoffen wir uns auch, die Eltern zu erreichen», so Lutz. Von weiteren Gesetzen und Vorschriften zu einem vernünftigen Umgang mit Energie allein hält Lutz nicht viel, da der Spielraum auf den Bau- und Gerätebereich beschränkt ist. Mit den verschärften Vorschriften für Neubauten wurde zwar eine wichtiger Punkt umgesetzt. Für die rasche Sanierung des energieintensiven Altbaubestandes hingegen greifen Vorschriften nicht, hier braucht es finanzielle Anreize und den Abbau von gesetzlichen Hürden und Steuerbelastungen für sinnvolle energetische Massnahmen. In Bereichen, wo statt Vorschriften die Eigenverantwortung im Vordergrund steht ist es sehr wichtig dass der Bezirk eine Vorbildfunktion wahrnimmt; sei es mit dem Projekt "bike to work" (mit dem Velo zur Arbeit) oder bei der Sanierung der eigenen Gebäude. Nicht zu unterschätzen ist laut Lutz die Möglichkeit, vorhandene oder neue Produkte zu bewerben: «Gerade im Bereich Mobilität ist es wichtig, auf die Mietvelos beim Bahnhof Küssnacht oder das Angebot im öffentlichen und im kombinierten Verkehr hinzuweisen». Wer das gute Angebot besser kenne, sei auch eher bereit, seine Mobilität sinnvoller und energieeffizienter abzuwickeln. Generell ist Küssnachts Umweltbeauftragter mit dem bisher Erreichten zufrieden. Nun gelte es, bis zum Re-Audit in vier Jahren den Schwung für die Verbesserung einiger Punkte auszunutzen. |
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